Sepp Herberger
Sportliche Laufbahn

Seppl Herberger, wie man in seiner kurpfälzischen Heimatstadt Mannheim sagen würde, war 14 Jahre alt, als er dem SV Waldhof Mannheim beitrat. Der SV Waldhof war sein Heimatverein, bei dem er als Stürmer heranwuchs, bis in die Seniorenmannschaft. Der erste Weltkrieg war vorüber, Herberger war längst Stammspieler des SV Waldhof, als er in der Nationalmannschaft debütierte. Am 18. September 1921 bestritt er in Helsinki gegen Finnland sein erstes Länderspiel für Deutschland. Herberger trug sich beim 3:3 gleich zweimal in die Torschützensliste ein. Die nächsten Länderspieleinsätze ließen trotzdem auf sich warten, erst 1924 wurde er gegen Italien (0:1 in Duisburg) und gegen Holland (1:2 in Amsterdam) berufen. Danach folgten keine Berufungen mehr.

Sepp Herberger im Trikot von Tennis Borussia Berlin.

Sepp Herberger im Trikot von Tennis Borussia Berlin.

In der Saison 1924/25 wechselte Herberger zum VfR Mannheim, mit dem er 1925 Süddeutscher Meister wurde. 1926 holte Dr. Otto Nerz den begabten Mannheimer Landsmann nach Berlin, Herberger verstärkte Tennis Borussia Berlin, besuchte ab 1927 in den Abendstunden die Sporthochschule, die damals unter Carl Diem bereits Weltruf besaß, und legte 1930 die Abschlussprüfung als Bester seines Jahrganges mit dem Prädikat „sehr gut“ ab. Als besondere Anerkennung der Stadt Berlin erhielt der junge Sportlehrer die August-Bier-Plakette.

Sepp Herberger im Jahr 1936.

Sepp Herberger im Jahr 1936.

Zwei Jahre später, nach dem Ende der Spielerlaufbahn, übernahm Sepp Herberger das Amt eines Sportlehrers für Fußball beim Westdeutschen Spielverband und ging nach Duisburg. Dort hatte er auf Anhieb Erfolg. Die Nationalmannschaft profitierte von seiner Arbeit, schon bald war an eine deutsche Nationalmannschaft ohne westdeutsche Spieler nicht mehr zu denken. 1936, als die Olympischen Spiele in Berlin mit einem Desaster für die deutschen Fußballer geendet hatten, sank der Stern von Otto Nerz, der seit zehn Jahren Reichstrainer gewesen war. Herberger übernahm und erhielt 1938 die offizielle Ernennungsurkunde. Als 1942 aufgrund des Krieges keine Länderspiele mehr stattfinden konnten und ab Mai 1945 der Deutsche Fußball-Bund nicht mehr bestand, hielt Herberger den Kontakt mit seinen Nationalspielern aufrecht und trug sogar dazu bei, dass einige seiner Spieler nicht mehr an die Kriegsfront geschickt wurden.

Er zog nach der Kapitulation nach Köln, wo schon 1946/47 die Sporthochschule unter Carl Diem ihre Lehrtätigkeit wieder aufnehmen konnte. 1949, nach Wiedergründung des DFB in Stuttgart, kehrte Sepp Herberger als Bundestrainer in die verantwortliche oberste Trainerposition des DFB zurück.

Begeisternder Empfang nach dem WM-Triumph 1954.

Begeisternder Empfang nach dem WM-Triumph 1954.

1954 führte Sepp Herberger die deutsche Nationalelf zur viel umjubelten Weltmeisterschaft mit dem heute schon legendären Endspiel gegen Ungarn in Bern, das Deutschland mit 3:2 für sich entscheiden konnte und das Herbergers Popularität in ungeahnte Höhen steigen ließ. Herberger begründete bei diesem Turnier seinen Weltruf als „Taktikfuchs“. 1958 erreichte die Elf der Bundesrepublik unter seiner Regie einen ehrenvollen vierten Platz bei der Weltmeisterschaft in Schweden. Nicht zu vergessen ist auch der vierte Platz der deutschen Fußballamateure bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki. Im Juli 1964 trat Sepp Herberger aus Altersgründen von seinem Amt als Bundestrainer zurück. Seine Bilanz: 94 Siege, 27 Remis und 46 Niederlagen in 167 Länderspielen unter seiner Regie. Sein Nachfolger wurde Helmut Schön. Auch im Ruhestand blieb Herberger dem Fußball treu und brachte sich als gefragter Kommentator immer wieder zu aktuellen Ereignissen seines Sports ein.

Der nachdenkliche Sepp Herberger.

Der nachdenkliche Sepp Herberger.

In der Rückschau erscheint Sepp Herberger heute als einer der bedeutendsten Gestalter der deutschen Fußballgeschichte zwischen 1934 und 1977. Aufgewachsen in der Kaiserzeit, schaffte der zielgerichtete und selbstbewusste Mannheimer mit den verinnerlichten Werten von Fleiß und Beständigkeit den Aufstieg zur Spielerpersönlichkeit und Reichstrainer. Nach dem Krieg gelang Herberger mit bewährten Spielern und dem Einfordern von Opferbereitschaft und Kameradschaft der Gewinn der Weltmeisterschaft. Nicht zuletzt die Zeitlosigkeit der Herbergerschen Lehrsätze, seine einzigartige Sorge um jeden einzelnen Spieler und sein legendäres, allwissendes Notizbuch lassen den Fußballlehrer bis heute als weisen Vater des deutschen Fußballs erscheinen.