Sepp Herberger
Nachlass

So akribisch und planvoll Sepp Herberger seine Spieler beobachtete und einsetzte, so gewissenhaft sammelte er alle fußballrelevanten Informationen in seinem legendären Notizbuch und in seinem umfassenden heimischen Archiv. Der langjährige Bundestrainer wurde zum Chronisten des deutschen Fußballs.

Der Nachlass zeugt von Herbergers Wirken als Spieler und Trainer, der Verehrung durch Fans, Fußballer und Funktionäre – und von seiner einzigartigen Sammelleidenschaft. So bildet der Nachlass ein eigenes Universum des Fußballs, das Entwicklungen, Beziehungen und Verflechtungen bis ins kleinste Detail aufzeigt. Ob Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus oder Bundesrepublik: Im Vordergrund stand für Herberger immer der Fußballsport, oft ungeachtet der politischen oder gesellschaftlichen Konsequenzen.

Der leidenschaftliche Sammler: Sepp Herberger in seinem Arbeitszimmer.

Der leidenschaftliche Sammler: Sepp Herberger in seinem Arbeitszimmer.

Nach dem Tode von Sepp und Eva Herberger ging dieser kulturhistorisch wertvolle Nachlass nach testamentarischer Verfügung in das Eigentum der Sepp-Herberger-Stiftung über. Die Eheleute haben das gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund gegründete Stiftungswerk zu ihrer Rechtsnachfolgerin bestimmt.

Das fast lückenlos erhaltene Vermächtnis des ehemaligen Bundestrainers umfasst mehr als 26 Aktenmeter mit rund 360 Aktenordnern voller Notizen und Korrespondenzen, eine Fachbibliothek mit 1.340 Büchern und 94 Zeitschriftenbänden sowie eine umfangreiche Sammlung von etwa 400 Trophäen, Auszeichnungen, Andenken und Gastgeschenken. Bemerkenswert sind auch die 4.600 Einzelfotos, 48 Fotoalben und 250 gerahmte Bilder, die mittlerweile größtenteils digitalisiert wurden.

Sepp Herberger verfasste seine Lebenserinnerungen.

Sepp Herberger verfasste seine Lebenserinnerungen.

Nach seiner Trainerlaufbahn hatte Sepp Herberger noch versucht, seine Aufzeichnungen zu systematisieren und zu einer Autobiografie zusammen- zufassen. Dieses Vorhaben scheiterte letztlich an seiner eigenen Akribie. Eine Aufarbeitung konnte Herberger nicht mehr bewältigen. Die Vorarbeiten zu diesem Vorhaben finden sich in seinem Nachlass in Form von maschinenschriftlichen Konzepten und Textfragmenten, oft nachträglich von Hand korrigiert und kommentiert. Sie erlauben nicht nur einen interessanten Blick hinter die Kulissen des Fußballs der 1920er bis 1960er Jahre, sondern zeigen auch, wie Herberger sich gesehen hat – ein sehr persönlicher Blick auf ein halbes Fußballjahrhundert.

Mit der Aufarbeitung des wohl wertvollsten fußballhistorischen Nachlasses der Bundesrepublik, mit der 2004 zum 50-jährigen Bestehen des Weltmeisterschaftstitels von 1954 das Carl und Liselott Diem-Archiv, die Olympische Forschungsstätte der Deutschen Sporthochschule Köln, beauftragt wurde, pflegt die Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes den bedeutendsten Bestand der Fußballgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ermöglicht ganz ungewöhnliche zeitgeschichtliche Einblicke. Journalisten, Historiker und Schriftsteller nutzen die Sammlung für ihre Arbeiten immer wieder. In der bislang größten Einzelschau wurde der Nachlass von Sepp Herberger in der Ausstellung „Der Ball ist rund“ im Gasometer Oberhausen im Rahmen des 100-jährigen Bestehens des Deutschen Fußball-Bundes im Jahr 2000 gezeigt. 2017 konnten Besucher des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund eine Sonderausstellung zum Thema „Herbergers Welt der Bücher – Die unbekannten Seiten der Trainer-Legende“ bestaunen.  Im Jahr 2019 zeigte das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund mit Unterstützung unserer Stiftung die Sonderausstellung „Post vom Chef“. Aktuell geht sie als Wanderausstellung auf Reisen.  Bitte wenden Sie sich bei Interesse an die Geschäftsstelle der Sepp-Herberger-Stiftung.

Die Verwirklichung einer Autobiografie war Sepp Herberger nicht mehr vergönnt gewesen. Dafür nutzte er das neu aufgekommene Medium Fernsehen, um in einer eigenen Sendereihe seine Erfahrungen und Erlebnisse einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) sendete Ende 1966 eine sechsteilige Serie zum Leben des Bundestrainers. Herberger schilderte die Höhepunkte seiner Laufbahn. Die Serie wurde zu einem großen Publikumserfolg.

Die Verwirklichung einer Autobiografie war Sepp Herberger nicht mehr vergönnt gewesen. Dafür nutzte er das neu aufgekommene Medium Fernsehen, um in einer eigenen Sendereihe seine Erfahrungen und Erlebnisse einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) sendete Ende 1966 eine sechsteilige Serie zum Leben des Bundestrainers. Herberger schilderte die Höhepunkte seiner Laufbahn. Die Serie wurde zu einem großen Publikumserfolg.