Sepp Herberger
Leben und Wirken
Sepp Herberger

Sepp Herberger

Der Fußball hat sein Leben bestimmt – und er selbst hat den Fußball in seiner Entwicklung über Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgestaltet. Das Wirken von Sepp Herberger, der am 28. März 1897 als jüngstes von sechs Kindern im Mannheimer Arbeiterviertel Waldhof geboren wurde, reicht weit über die Zeit hinaus, in der er von 1936 bis 1964 die Nationalmannschaft formte und lenkte und 1954 mit der Weltmeisterschaft in der Schweiz, nur wenige Jahre nach einem Neuaufbau fast aus dem Nichts, seinen größten Triumph errang.

Generationen von Spielern und Trainern lernten bei ihm, der selbst immer lernen wollte, um lehren zu können – ob als Spieler in seiner aktiven Zeit beim SV Waldhof, VfR Mannheim und später in den Berliner Studienjahren bei Tennis Borussia, als Mitglied der Nationalmannschaft zwischen 1921 und 1925 (drei Länderspiele), dann als Student an der Hochschule für Leibesübungen in Berlin, schließlich als junger Sportlehrer beim damaligen Westdeutschen Spielverband und, seit 1936, als Reichstrainer und Bundestrainer beim Deutschen Fußball-Bund.

Seep-Uwe_210

Persönliche Verbundenheit: Sepp Herberger begrüßt die Nationalspieler Uwe Seeler und Horst Szymaniak zum Lehrgang in Frankfurt.

Sein Lebenswerk galt dem Aufbau und Aufstieg der Nationalmannschaft, das war aber nur ein Teil seines Wirkens. Sepp Herbergers Arbeit richtete sich auf viele Bereiche. Sie schloss die Anleitung der Jüngsten und ihre Heranführung an den Fußball ebenso ein wie die Schaffung eines vorbildlichen Ausbildungssystems und die kameradschaftliche Sorge für die Älteren, seine ehemaligen Schüler und Spieler.

Die Popularität, die Sepp Herberger unvermindert umgibt, entspringt seiner Leistung und seiner Persönlichkeit. Diese Popularität hat viele Aspekte. Sie spiegeln sich in den zahllosen Beinamen wider, die ihm Freunde und Kritiker, nahestehende und distanzierte Beobachter und Journalisten verliehen: Der Fußballweise aus Hohensachsen, der deutsche Zauberer, Feldherr – oder, wegen seines angeblich zu strengen Sinns für Disziplin, Feldwebel, einfach und vertraulich Sepp oder – um seine Identifikation mit dem ganzen Fußball-Leben eines Volkes zu dokumentieren -Bundessepp. Herberger trug sie alle mit Gelassenheit. Kein Titel aber passt zu ihm so gut wie der, mit dem seine Nationalspieler aus der Weltmeisterelf von 1954 von ihm sprachen und sprechen. Für sie ist er schlicht und einfach „der Chef“.

Der 3:2-Endspielerfolg der „Berner Helden“ wurde später vielfach als die eigentliche Geburtsstunde der Bundesrepublik bewertet. Denn der Sieg habe dem (west)deutschen Volk ein Stück Selbstachtung („Wir sind wieder wer“) zurückgegeben. Und Sepp Herberger habe „zur Wiederherstellung deutschen Selbstgefühls einen kräftigen Schuss beigetragen“, wie DER SPIEGEL schrieb. Herberger selbst wurde später neben Konrad Adenauer und Ludwig Erhard geradezu zu einem Synonym für das deutsche Wirtschaftswunder der 50er und 60er Jahre.

Sein größter Triumph: Sepp Herberger wird nach dem Wunder von Bern gefeiert.

Sein größter Triumph: Sepp Herberger wird nach dem Wunder von Bern gefeiert.

Zielstrebigkeit, die Bereitschaft, hart und systematisch zu arbeiten, Durchsetzungsvermögen und Beharrlichkeit, wenn es galt, seine Überzeugungen zu vertreten, auch gegen Scharen von Kritikern: Das sind Eigenschaften, die alle seine zahlreichen Porträtisten und Biografen an ihm rühmen. Sepp Herberger hatte immer den Mut, zu seiner Meinung zu stehen, auch Ärger auf sich zu nehmen, wenn es sein musste. Von leichten Kompromissen hielt er nicht viel.

Geprägt war Herbergers zielstrebige Lebenshaltung durch die nicht einfache Kindheit: Als er zwölf Jahre alt war, starb sein Vater und der junge Herberger musste deshalb schon früh zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Ein bequemer Chef ist er später nie geworden, weder für Nationalspieler noch für seine Mitarbeiter. Er verlangte viel, aber er war auch bereit, mehr zu geben als andere: An treuer Anhänglichkeit, Fürsorge, Hilfe, wo es Not tat. Viele haben das erfahren dürfen.

Sepp Herberger war kinderlos verheiratet, seine Frau Eva, die ihn um zwölf Jahre überlebte und im April 1989 im Alter von 92 Jahren starb, war vor allem seine zuverlässige Freundin und Vertraute, die sich für ihren Mann selbstlos aufopferte und ihm den Rücken freihielt. Eva Herberger war neben Fritz Walter sicherlich der einzige Mensch, den Sepp Herberger wirklich an sich heranließ.

Glücklich verheiratet: Eva und Sepp Herberger.

Glücklich verheiratet: Eva und Sepp Herberger.

Herberger starb einen Monat nach seinem 80. Geburtstag am 28. April 1977 in einem Mannheimer Krankenhaus. Wenige Stunden zuvor hatte er sich noch den 5:0-Sieg der deutschen Mannschaft gegen Nordirland am Fernseher angeschaut. Mit der Gründung der DFB-Stiftung Sepp Herberger zur Förderung und Entwicklung des Fußballsports sowie zur sozialen Betreuung von Fußballern in Not hatte ihm der Deutsche Fußball-Bund einen Monat vor seinem Tod noch einen Herzenswunsch erfüllt.

In der Satzung der Stiftung heißt es: „Das Ansehen von Sepp Herberger, seine echte Volkstümlichkeit sind so dauerhaft, dass sie der Stütze nicht bedürfen. Für das Stiftungswerk, das der Deutsche Fußball-Bund geschaffen hat, kam nur sein Name in Betracht: Ein lebendiges Symbol.“