Behindertenfußball
Mit Fußball in die Mitte der Gesellschaft
5253006 Sepp Herberger wollte mit seiner Stiftung die integrative Kraft des Fußballs für die Gesellschaft nutzen – gerade im Behindertenfußball lebt diese Idee weiter.

Bundesweit werden pro Wochenende etwa 75.000 Fußballspiele ausgetragen. Der Fußballsport hat in unserem Land nicht nur aufgrund der etwa 25.000 existierenden Fußballvereine eine große gesellschaftliche Bedeutung. Die Begeisterung für den Fußball teilen gerade auch Menschen mit Behinderung. In vielen Fußballvereinen gehören Menschen mit Handicap bereits seit Jahrzehnten selbstverständlich zur „Fußballfamilie“. Dabei beschränkt sich die Mitwirkung nicht nur auf aktives Sporttreiben auf dem Platz, sondern umfasst auch ehrenamtliche Tätigkeiten in den Fußballverbänden und –vereinen. Dazu zählt auch der passive Sportkonsum in den Stadien der 36 Profiklubs.

Der Deutsche Fußball-Bund setzt sich seit Anfang der 2000er-Jahre mit unterschiedlichen Aktivitäten und Projekten für die selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilnahme von Menschen mit Behinderung am organisierten Fußballspielbetrieb ein. Dieses Engagement ist in der Sepp-Herberger-Stiftung institutionalisiert. Das Dach des umfassenden Engagements bildet die Inklusionsinitiative. Die Umsetzung der Leuchtturmprojekte „Deutsche Fußball-Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen“, „Blindenfußball-Bundesliga“ und „FußballFreunde-Cups“ stärkt die Inklusionsinitiative. Die Projekte werben für den Inklusionsgedanken im organisierten Fußball.

 

Inklusionsinitiative

Um Fußballern mit Behinderung den Zugang in die „Fußballfamilie“ zu erleichtern, beteiligt sich die Sepp-Herberger-Stiftung seit dem Jahr 2012 im Rahmen der Inklusionsinitiative in allen 21 DFB-Landesverbänden an der Finanzierung von Beauftragten für Fragen des Behindertenfußballs.

Im Rahmen des flächendeckenden Engagements sollen Menschen mit Behinderung über unterschiedliche aktive und passive Teilhabemöglichkeiten (z.B. als Spieler, Schiedsrichter, Betreuer, Ehrenamtler, Zuschauer) in die Strukturen des organisierten Fußballs integriert werden. Zur Umsetzung des Ziels übernehmen die Beauftragten vielseitige Aufgaben.

„Wir begreifen die beeinträchtigten Sportler als ‚Fußballer‘ und möchten ihnen die Möglichkeiten bieten, in den organisierten Fußballstrukturen ihren Sport treiben zu können“, sagt DFB-Vizepräsident Dirk Janotta, der Vorsitzende der Sepp-Herberger-Stiftung. „Vor allem in den rund 25.000 Fußballvereinen gibt es hier viele Chancen und Möglichkeiten“, so Janotta weiter.

Die Inklusionsbeauftragten sind direkte Ansprechpartner für Fragen des Behindertenfußballs, vernetzen die Thematik mit den anderen Angeboten des Landesverbandes, beraten Fußballvereine, initiieren Partnerschaften oder unterstützen konkrete Projekte vor Ort.

Die Kontaktdaten der Beauftragten finden Sie hier.

Gemeinsam am Ball – Kinder und Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigung.

Seit dem Jahr 2015 existiert zudem der neue Online-Bereich www.fussballfreunde.de (Rubrik Handicap-Fußball auf dfb.de), der viele Informationen rund um das Thema Handicap-Fußball bietet.

Auch im Rahmen der Anwendung des DFBnet-Vereinsmeldebogens gibt es eine Neuigkeit zu verzeichnen: Künftig können alle Fußballvereine angeben, ob und in welchen Bereichen Angebote für Fußballer mit Handicap existieren und diese zusätzlich über ein Freitextfeld beschreiben.

So können Sie Ihr Angebot im Handicap-Fußball eintragen (Handicap-Fußball Wegweiser)

Die Daten werden „live“ ausgespielt und in die bestehende Handicap-Börse (http://handicapteams.dfb.de/) in der Rubrik Handicap-Fußball auf dfb.de übertragen.

Über die Handicap-Börse können fußballbegeisterte Spielerinnen und Spieler mit Handicap den passenden Verein in ihrer Umgebung suchen. Zudem haben Vereine die Möglichkeit, über die Abbildung ihres Handicap-Teams neue Akteure für ihre Mannschaften zu gewinnen oder andere Gruppen zu kontaktieren, um sie beispielsweise zu Turnieren oder Freundschaftsspielen einzuladen. Die Abbildung aller Mannschaften über eine Deutschlandkarte demonstriert zusätzlich, dass Inklusion in den Fußballvereinen kein Fremdwort ist, sondern bereits umfangreich und aktiv gelebt wird.

Das vielfältige Rahmenprogramm sorgt für strahlende Kinderaugen.

FußballFreunde-Cups

Die DFB-Stiftung Sepp Herberger und die DFL Stiftung organisieren gemeinsam mit den DFB-Landesverbänden seit dem Jahr 2017 die inklusive Turnierserie „FußballFreunde-Cups“. Profiklubs aus der ganzen Bundesrepublik fungieren dabei als Gastgeber der Veranstaltungen.

Kinder und Jugendliche mit und ohne Handicap bekommen die Möglichkeit, unter bundesligareifen Bedingungen aktiv Fußball zu spielen und ein Zeichen für die gelebte Inklusion im Fußball zu setzen.

Bei den Turnieren steht nicht der Leistungsgedanke, sondern die gemeinsame Freude und Begeisterung am Fußballspiel, an Teamwork und Fairplay im Mittelpunkt. Kinder mit und ohne Handicap werden spielerisch über den Sport zusammengebracht und in ihren sozialen Kompetenzen gefördert. Die Teilnehmenden lernen den Umgang mit den Stärken und Schwächen der anderen Fußballerinnen und Fußballer.

Neben dem Fußballspielen gibt es an den einzelnen Standorten ein vielfältiges Rahmenprogramm. So lassen eine Stadionführung oder die Besuche von prominenten Fußballspielern Kinderherzen höherschlagen.

Weitere Informationen zu den Inklusionsturnieren gibt es beim Inklusionsbeauftragten des jeweiligen DFB-Landesverbandes.

 

Teamgeist, Spaß und Freude stehen bei den inklusiven Fußballturnieren im Vordergrund.

 

Blindenfußball-Bundesliga

Seit dem Jahr 2008 organisiert die Sepp-Herberger-Stiftung gemeinsam mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) sowie dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) die BLINDENFUSSBALL-Bundesliga. Die europaweit einzigartige Spielrunde für blinde und sehbehinderte Menschen geht dabei für den Behindertensport beispielhafte Wege. In den Jahren 2018-2020 werden sechs Spieltage auf zentralen öffentlichen Plätzen mitten in der Stadt durchgeführt.

Blindenfußball ist eine außergewöhnliche und spektakuläre Sportart.

„Mit der BLINDENFUSSBALL-Bundesliga wollen wir einer breiten Öffentlichkeit zeigen, zu welch´ herausragenden Leistungen behinderte Menschen in der Lage sind. Gerade mit den Stadt-Spieltagen werben wir für den Inklusionsgedanken und zeigen, dass blinde und sehbehinderte Menschen mitten im Leben stehen, arbeiten, studieren und auf hohem Niveau Fußball spielen“, betont Dirk Janotta, DFB-Vizepräsident und Vorsitzender der Sepp-Herberger-Stiftung.

Zudem will die Serie dazu beitragen, dass immer mehr Menschen mit Beeinträchtigungen Zugang in die bundesweit rund 25.000 Fußballvereine finden. Beispiele aus der Vereinslandschaft zeigen, dass diese Integration möglich ist und gelingen kann. Dafür sind im Blindenfußball unter anderem der FC Schalke 04, Borussia Dortmund, der FC St. Pauli oder Hertha BSC Berlin hervorragende Beispiele.

Die Serie erhielt in ihren Anfangsjahren Unterstützung von höchster Stelle: Schirmherr der BLINDENFUSSBALL-Bundesliga war bis zum Jahr 2013 Bundespräsident Joachim Gauck.

Gauck-140„Blindenfußball ist eine faszinierende Spielart des Breiten- und Spitzensports Fußball. Der Kampf um den rasselnden Ball schafft Gemeinsamkeit und leistet so einen wichtigen Beitrag für unser Zusammenleben“, betont Gauck.
„Der Blindenfußball zeigt uns, zu welch außerordentlichen Leistungen Menschen mit Behinderungen im Stande sind und trägt so zu mehr gegenseitigem Verständnis bei. Ich habe daher gerne die Schirmherrschaft übernommen“, so der ehemalige Bundespräsident.
Gespielt wird mit einem Rasselball auf einem 40 x 20 m großen Kunstrasenspielfeld. Es spielen jeweils vier Feldspieler und ein Torwart gegeneinander. Der Torwart selbst ist sehend. Durch Zurufe untereinander sowie von außen durch sogenannte Guides orientieren sich die Spieler auf dem Spielfeld.

Im Jahr 2012 zählte die BLINDENFUSSBALL-Bundesliga zu den 365 ausgezeichneten Orten im Wettbewerb „Deutschland – Land der Ideen“.

Weitere Informationen: www.blindenfussball.de

 

DM der Werkstätten für behinderte Menschen

deutschemeisterschaft-180

Sport spielt in den bundesweit rund 700 Werkstätten für behinderte Menschen eine wichtige Rolle. Gerade der Fußballsport hat hier eine besondere Bedeutung. An vielen Arbeitsplätzen sind die Logos der Bundesligavereine zu sehen, immer mehr Werkstätten-Beschäftigte spielen selbst aktiv Fußball. In Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG:WfbM) werden jährlich 16 Männer-Mannschaften sowie derzeit acht Frauen-Teams mit mehr als 350 aktiven Spielerinnen und Spielern zu einem viertägigen Turnier eingeladen. Auf Kleinfeld (60 x 40 m) im Modus 7 gegen 7, wird der Deutsche Meister der Werkstätten für behinderte Menschen ausgespielt. Seit dem Jahr 2000 veranstaltet die Stiftung mit ihren Kooperationspartnern dieses Turnier. Neben dem sportlichen Geschehen auf den Plätzen wird den Sportlern ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm geboten.

Sport ist sehr wichtig in den bundesweit rund 700 Werkstätten für behinderte Menschen.

Zur Einbindung von Menschen mit Behinderung in die Fußballfamilie haben die Kooperationspartner DFB-Stiftung Sepp Herberger und die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen das Projekt „700 Vereine – 700 Werkstätten“ gestartet.

„700 Vereine – 700 Werkstätten“ baut Brücken zwischen Fußballvereinen und Werkstätten. Werkstätten, die an einer Kooperation mit einem Fußballverein interessiert sind, können durch dieses Projekt den für sie passenden Klub finden.

So besteht zum Beispiel im rheinland-pfälzischen Offenbach an der Queich eine Kooperation zwischen der dortigen Südpfalzwerkstatt und dem FSV Offenbach. Der Fußballsportverein übernimmt das Training für die behinderten Fußballer der Werkstatt. Klubtrainer trainieren das Team, das Trainingsgelände steht zur Verfügung, jeder erhält einen Trainingsanzug des Klubs – ein Musterbeispiel für gelebte Integration.
Als Ansprechpartner für Einrichtungen und Vereine stehen die Inklusionsbeauftragten (siehe oben) gerne zur Verfügung.

Weitere Informationen: www.fussball-wfbm.de