Inklusionsbeauftragte im Porträt: Hans-Willy Zolper, Fußball-Verband Mittelrhein (FVM)
22. August 2022 Zurück zur Artikelübersicht »

Für Hans-Willy Zolper sind es gerade ganz besondere Tage, denn der 74-Jährige feiert ein kleines Jubiläum: Vor genau zehn Jahren, im Spätsommer 2012, hat Zolper die Funktion des Inklusionsbeauftragten im Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) übernommen. , lacht Zolper. „Er hat mir dann angeboten, dass ich Inklusionsbeauftragter für den FVM werden könne.“ Zolper musste nicht lange überlegen und sagte sofort zu. Bereits in seiner Funktion als Geschäftsführer des FVM, die er von 1990 bis 2010 ausgeübt hatte, war ihm die Förderung des Handicap-Fußballs besonders wichtig.

Portrait von Hans-Willy Zolper

Hans-Willy Zolper ist seit zehn Jahren in der Funktion des Inklusionsbeauftragten für den FVM.

„Unser klares Ziel ist es, Netzwerke zu schaffen, von denen alle Beteiligten profitieren und auf die sie jederzeit zugreifen können“, sagt Zolper. „Unser langfristiger Anspruch ist es, den Zugang behinderter Spielerinnen und Spieler in die Klubs zu Selbstverständlichkeiten werden zu lassen. Ich habe aber natürlich Verständnis für die vielen kleinen Fußballvereine auf dem Land, die keinen Handicap-Fußball anbieten können, weil sie aufgrund ihrer Größe, Infrastruktur und den personellen Voraussetzungen keine Kapazitäten dafür haben. Manche haben schon Schwierigkeiten, den Spielbetrieb mit einer Seniorenmannschaft und zwei Jugendteams aufrecht zu erhalten. Hier versuchen wir Hilfestellung zu geben. Denn natürlich ist es so, dass eine Handicap-Mannschaft viel mehr Unterstützung in der Logistik braucht als eine Seniorenmannschaft, die vielleicht in der Kreisliga spielt.“

Zolper ist stolz darauf, dass es ihm und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern gelungen ist, die Zahl der Vereine, die Handicap-Fußball im FVM anbieten, um 200 Prozent zu steigern – wenn auch auf noch zu niedrigem Niveau, wie er selbst sagt: „Als ich die Funktion übernommen habe, hatten wir 20 Klubs, die Fußballerinnen und Fußballern mit Behinderung die Möglichkeit gegeben haben, ihrem Hobby nachzugehen. Heute sind es 60 der ungefähr 1.000 Vereine im FVM. Das sind immer noch zu wenige, aber wir sind auf dem richtigen Weg.“ Zolper weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass die Corona-Pandemie dafür gesorgt hat, dass einige Klubs ihre Aktivitäten in diesem Bereich eingestellt haben: „Die müssen wir jetzt wieder dafür gewinnen und für den Handicap-Fußball begeistern. Jeder Verein, der mitmacht, ist ein Gewinn.“

Zolper befindet sich gerade mitten in den Vorbereitungen für die Fußball-Inklusionstage, die vom 16. bis zum 18. September auf dem Roncalliplatz im Schatten des Kölner Doms stattfinden. Schirmherrin für dieses Projekt ist Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Ausgerichtet werden die Fußball-Inklusionstage gemeinsam von der DFB-Stiftung Sepp Herberger, der Stadt Köln und dem Fußball-Verband Mittelrhein. Die bunte Vielfalt des Handicap-Fußballs soll mit den verschiedensten Aktionen in zentraler Innenstadtlage einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Zahlreiche Fußballerinnen und Fußballer mit und ohne Handicap aus ganz Deutschland sind bei diesem besonderen Sportangebot mit dabei. Parallel finden dort auch die Endspiele um die deutsche Meisterschaft im Blindenfußball statt. „Das ist eine ganz große Bühne, die wir unbedingt nutzen wollen, um den Handicap-Fußball weiter voranzubringen“, betont Zolper.

Im September wird nach einer längeren Coronapause auch die „FVM-Liga inklusiv“ in drei Staffeln wieder an den Start gehen. In der kommenden Spielzeit wird es erstmalig eine U13-Staffel geben, welche die etablierten Wettbewerbe der U17 und Ü17 ergänzt. Das Besondere an der FVM-Liga inklusiv ist, dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Fußball spielen können. Jede Staffel trägt ungefähr einmal pro Monat ein Spieltagsturnier bei einem Verein aus. Gespielt wird nach dem Prinzip „Jeder gegen Jeden“. Alle Turnierergebnisse werden in einer Gesamttabelle erfasst. „Es ist gut, dass auch die FVM-Liga inklusiv wieder losgeht“, betont Zolper. „Wir müssen auch hier die Rückkehr in die Normalität schaffen. Die Fußballerinnen und Fußballer mit und ohne Handicap, die mit großer Leidenschaft gemeinsam ihrem Sport nachgehen, haben das verdient.“ Zolper investiert dafür viel Zeit und Herzblut – inzwischen seit genau zehn Jahren. Mittlerweile sagt er aber: „Es ist nun langsam an der Zeit, den Staffelstab in jüngere Hände zu legen.“ Aber zuvor gibt es noch so manches zu tun.