Ceylan besucht Herberger-Grundschule: „Es tut gut zu helfen“
29. April 2022 Zurück zur Artikelübersicht »

Bülent Ceylan startet Ende April in eine Mammuttournee, die ihn bis zum Dezember 2023 durchs ganze Land führen wird. 110 Auftritte stehen bis März 2023 auf dem Tourneeplan. Die größten Hallen und Stadien wird der 46 Jahre alte Mannheimer mit seinem neuen mit Spannung erwarteten Programm „Luschtobjekt“ bespielen. Vor dem Tourstart aber nahm er sich nochmal Zeit für seine jüngsten Fans. In Weinheim besuchte er mit seinem Freund Michael Herberger die Kinder der Sepp-Herberger-Grundschule. Die DFB-Stiftung Sepp Herberger hatte ihn darum gebeten.

Schulklasse in der Turnhalle mit Personen vor einem Banner

Comedian Ceylan (2.v.r.) in der Herberger-Grundschule: „Es tut gut zu helfen.“

DFB.de: Bülent Ceylan, als Komiker liefern Ihnen die Marotten von Deutschtürken und Mannheimern ihr Material. Das ist erstaunlich, weil weder die Deutschen noch die Türken unbedingt für ihren Humor bekannt sind.

Bülent Ceylan: (protestierend) Doch, doooch. Vielleicht nicht, wenn Deutschland gegen die Türkei Fußball spielt. Das ist ernst, kein Humor.  Aber sonst verbindet Türken und Deutsche ganz viel Humor. Mein Vater, der leider schon vor zehn Jahren verstorben ist, war Türke, meine Mutter ist Deutsche. Zwischen den beiden, das war Humor pur. Mein Vater hat auf Deutsch immer Sachen gesagt, die niemand erwartet. Einmal hat er sich beim Einsteigen ins Auto an der Tür fürchterlich den Kopf gestoßen. Also richtig krass. Jeder hätte „Scheiß Tür“ gerufen, nur mein Vater sagte wütend „Scheiß Kopf“.

DFB.de: Deutschtürken und Mannheimer – also doch eine Goldmine der Komik?

Ceylan: Türken sind oft Charaktertypen, das ist schon sehr witzig manchmal. Und bei meinen Shows lachen alle zusammen. Humor verbindet.

DFB.de: Schön, dass sie auch uns Deutschen Humor attestieren. Finden Sie denn Olaf Scholz lustig?

Ceylan: Nein, den Bundeskanzler finde ich jetzt nicht sonderlich lustig. Aber er kommt ja auch aus einer anderen Gegend. Ich denke, er ist bestimmt ein netter, umgänglicher Typ, aber momentan hat er auch nicht soviel zu lachen. Und wenn Politiker am falschen Ort zur falschen Zeit lachen, kann das auch Folgen haben.

DFB.de: Olaf Scholz war lange Zeit Erster Bürgermeister der Freien Stadt Hamburg. Funktioniert Bülent Ceylan eigentlich auch im Norden?

Ceylan: Wir hatten auf der letzten Tour beide Auftritte in Hannover komplett ausverkauft. Bevor man auf die Bühne geht, denkt man, das sind die Oxford-Deutschen – und dann gehen die richtig ab. Die setzen richtig einen drauf. Auch im Osten erreiche ich mein Publikum. Aber klar ist auch, Mannheim bleibt Mannheim, das ist halt meine Heimat.

DFB.de: Luschtobjekte sollten sportlich sein. Sind Sie es auch?

Ceylan: Früher in der Schule war ich sogar im Sport-Leistungskurs.

DFB.de: Wie konnten Sie denn bei „Schlag den Star“ gegen den immerhin zehn Jahre älteren Schauspieler und RTL-Journalisten Jenke von Wilmsdorff verlieren?

Ceylan: Die letzten drei Spiele waren reine Glückssache.

DFB.de: Also Betrug? Sie sagen, es war Betrug?

Bülent Ceylan mit einem Mikrofon in der Hand

Bülent Ceylan: „Bei uns Mannheimern ist der Zusammenhalt groß.“ (Copyright Fotos: Klaus Venus)

Ceylan: Nein, natürlich war es kein Betrug! Ich würde sagen, Jenke hatte eigentlich schon innerlich aufgegeben, ich lag ja deutlich vorne, und dann ging er die letzten drei Spiele auf volles Risiko. Wie gesagt, das waren reine Glücksspiele, das hatte nichts mit Sportlichkeit zu tun. Ich habe mich saumäßig geärgert. Ich hatte schon Matchpoint-Spiel. Und ich hatte vorher alle Sportspiele gewonnen.

DFB.de: Vor kurzem war der Auftakt Ihrer Tournee, die insgesamt bis in den Dezember 2023 andauern wird. Regelmäßig treten Sie drei bis fünf Tage hintereinander auf. Wie sehr ist so eine Tournee auch eine sportliche Herausforderung?

Ceylan: Mich betreut ein Physiotherapeut, der unter anderem in der Basketball-Bundesliga tätig ist. Und der sagte mir nach einer ausverkauften Show in der SAP-Arena, dass ich völlig unter Spannung stehe, genau wie ein Spitzensportler nach einem wichtigen Spiel. Der Tonus, die Anspannung, die Energie, das sei bei mir wie bei einem Hochleistungssportler. Ich bin ja jetzt keiner, der so auf der Bühne steht und seine Witze erzählt. Ich bespiele die gesamte Bühne, schlüpfe in die verschiedenen Rollen. Gerade jetzt habe ich viel Fitness gemacht, um für die Tour fit zu werden. Man muss seinen Körper auch während der Tour weiter trainieren, sonst macht man irgendwann schlapp.

DFB.de: Wie kommen Sie runter, nachdem sie ein volles Stadion gerockt haben?

Ceylan: Es ist doch klar, ich kann nicht sofort schlafen. Mir hilft eine heiße Dusche, da kommt es mir dann so vor, als würde ich das ganze Adrenalin einfach wegspülen. Anschließend schaue ich noch ein wenig aufs Handy, oft lese ich auch noch.

DFB.de: Wie und wo finden Sie das Lustige? Wie entsteht ein neues Programm? Beim Spaziergang durch die Mannheimer Innenstadt zwischen F- und K-Quadrat?

Ceylan: Hier in der Region kriegt man tatsächlich sehr viel mit. Hier leben auch sehr viele lustige Menschen, die gar nicht wissen, wie lustig sie sind. Comedy hat mit Erfahrung zu tun. Viele Komiker-Kollegen und -Kolleginnen werden besser, je älter sie werden. Die Geschichten sind authentischer, man hat mehr erlebt. Bei jungen Comedians spüre ich oft sehr viel Handwerk, bei den älteren mehr Authentizität. Stark ist natürlich auch, wenn du spontan reagieren kannst, wenn im Publikum etwas passiert und dir fällt etwas Lustiges ein. Ich stehe jetzt seit 23 Jahren auf der Bühne und ich habe bis heute das Glück, da oben mitrumzuschwimmen. Dafür bin ich dankbar. Ich weiß, wo ich herkomme. Profis, auch Leute, die mich kritisch anschauen und ehrlich mit mir sind, sagen mir, dass „Luschtobjekt“ eines meiner besten Programme ist.

DFB.de: Vor fünf Jahren haben Sie die „Bülent Ceylan Stiftung für Kinder“ gegründet und etwa Herzschlagmatrazen für Frühchen in einer Mannheimer Kinderklinik finanziert. Was macht die Stiftung noch?

Ceylan: Wir helfen von der Frühchenstation bis zu Kindergärten in den sozial schwachen Stadtteilen Mannheims und sind aber auch bundesweit aktiv. Hansi Flick ist Mitglied des Stiftungskuratoriums, das macht mich sehr stolz. Wir haben viel schon gemacht und sind immer noch eine junge Stiftung. Ich bin bei allen Entscheidungen selbst beteiligt. Es tut gut zu helfen.

DFB.de: Heute haben Sie sich Zeit für die Kinder in der Sepp-Herberger-Grundschule genommen. Wenn man bedenkt, dass Sepp Herberger Sätze geprägt hat wie „Der Ball ist rund“ und „Ein Spiel dauert 90 Minuten“ muss der „Chef“, wie ihn die Spieler nannten, auch Humor gehabt haben.

Ceylan: Herberger war ein Mannheimer, so wie der Blumepeter, Joy Fleming, Uwe Ochsenknecht und auch ich. Ich hör’s richtig, wie Herberger damals in der Kabine des Berner Wankdorfstadions gesagt hat: „Ah ja, 90 Minute und fertich, Alahop.“ Viele wissen gar nicht, dass es ein Mannheimer war, der Deutschland 1954 zum Weltmeistertitel geführt hat. Und Hansi Flick kommt auch aus der Region, inklusive Kurpfälzer Dialekt. Bei uns ist der Zusammenhalt groß, wir nehmen uns nicht so furchtbar wichtig. Und das hat auch Sepp Herberger ausgezeichnet.