Fußballer helfen Fußballern: Unbürokratische Hilfe in der Corona-Krise
09. Juni 2020 Zurück zur Artikelübersicht »

Die DFB-Stiftung Sepp Herberger hat Mitte März gemeinsam mit Nationalspieler Jonathan Tah einen Corona-Nothilfefonds für unverschuldet in Not geratene Mitglieder der Fußballfamilie ins Leben gerufen. Oliver Stephan hat davon Gebrauch gemacht. Und ist glücklich über diese Entscheidung.

Die große Fußballfamilie hilft sich, wenn einzelne Mitglieder unverschuldet in Not oder wirtschaftliche Bedrängnis geraten sind – schon zu Lebzeiten war dies für Sepp Herberger ein wichtiger Aspekt seines Handels. Auch nach seinem Tod lebt dieser Gedanke weiter. Denn der frühere Bundestrainer und seine Frau Eva haben ihr Privatvermögen der DFB-Stiftung Sepp Herberger vermacht und darüber verfügt, dass damit über das der Stiftung angeschlossene DFB-Sozialwerk mit Vorrang in Not geratene Fußballerinnen und Fußballer unterstützt werden sollen.

Auf diesem jahrzehntealten Solidaritätsgedanken fußt auch der Corona-Nothilfefonds. Die DFB-Stiftung Sepp Herberger hat am 20. März ein Hilfsprogramm für Mitglieder der Fußballfamilie gestartet, die durch die Corona-Pandemie plötzlich und unverschuldet in wirtschaftliche Bedrängnis geraten sind. Als Nationalspieler Jonathan Tah davon erfuhr, war er sofort begeistert von der Aktion und beteiligte sich als erster privater Spender. Im Rahmen einer ersten Sofort-Maßnahme kann die älteste Fußballstiftung Deutschlands so mehr als 100.000 Euro zur Verfügung stellen – und viele Menschen konnten davon bereits profitieren.

Durch Kurzarbeit in finanzielle Schieflage geraten

Oliver Stephan engagiert sich ehrenamtlich als Vorsitzender des Fußballkreises Rhein-Lahn.

Ein Beispiel für die Hilfe ist die Geschichte von Oliver Stephan. Der 49-Jährige engagiert sich ehrenamtlich als Vorsitzender des Fußballkreises Rhein-Lahn im Fußballverband Rheinland. Hauptberuflich arbeitet Stephan im Lager und Versand eines Etikettenhandels. Sein Arbeitgeber musste im Zuge der Corona-Krise Kurzarbeit anmelden, von der auch Stephan betroffen ist. „Ich komme schon mit meinem normalen Einkommen gerade so über die Runden“, sagt er. „Durch die Kurzarbeit hat sich meine Lage weiter verschärft.“

In dieser Situation ist Stephan auf die Initiative der Sepp-Herberger-Stiftung aufmerksam geworden: „Es lief alles völlig unkompliziert. Ich musste ein paar wichtige Nachweise einreichen und habe dann sehr schnell und unbürokratisch Hilfe bekommen.“ Stephan bekommt nun bis höchstens Ende des Jahres durch die Stiftung eine monatliche Unterstützung, um so den Ausfall seines Verdiensts durch die Kurzarbeit im Unternehmen zu überbrücken: „Das ist wirklich eine großartige Aktion. Ich kann nur jedem empfehlen, der die Notwendigkeit hat, von diesem Angebot Gebrauch zu machen.“

Antragsstellung fortlaufend möglich

Antragsberechtigt sind Menschen, die sich haupt- oder ehrenamtlich in den DFB-Mitgliedsverbänden, deren Untergliederungen (zum Beispiel Fußballkreisen oder Schiedsrichtervereinigungen) und den bundesdeutschen Fußballvereinen engagieren. Förderanträge können fortlaufend bei der Stiftung gestellt werden. Wichtig ist der Nachweis über die individuellen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den jeweiligen Antragsteller. Die Anträge können formfrei per E-Mail an corona-hilfe@sepp-herberger.de gesendet werden. Jede Anfrage wird im Einzelverfahren geprüft. Ein Anspruch auf die Gewährung von Stiftungsmitteln besteht nicht.

Seit 30 Jahren ehrenamtlich tätig

Stephan ist seit 30 Jahren im Ehrenamt tätig.

Genau diesen Weg ist auch Stephan gegangen – und er ist glücklich darüber, das so gemacht zu haben. „Das ist eine sehr, sehr große Hilfe für mich und meine Familie“, sagt er. „Es ist toll, dass die Fußballfamilie an dieser Stelle wirklich zusammenhält.“ Stephan selbst ist durch und durch Fußballer. Ihm ist die ehrenamtliche Arbeit an der Basis sehr wichtig, weil er dort viel bewegen kann.

„Seit meinem 20. Lebensjahr engagiere ich mich an verschiedensten Stellen im Fußball. Gut acht Jahre bin ich jetzt Kreisvorsitzender, davor war ich schon Jugendstaffelleiter. Angefangen hat alles mit verschiedenen Vorstandstätigkeiten in meinem Heimatverein“, erzählt Stephan. Und das alles hat er ehrenamtlich gemacht, um anderen Menschen die Ausübung ihres Hobbys zu ermöglichen: „Ich habe dafür viel Zeit und teilweise auch Geld investiert. Aber ich habe das immer gerne gemacht und werde es auch weiterhin gerne tun.“

Stephan hat bisher also immer nur gegeben. Und jetzt ist durch die Corona-Pandemie der Zeitpunkt gekommen, an dem er auch einmal nehmen muss. Er macht das nicht gerne und würde lieber darauf verzichten. Aber die Umstände lassen es eben nicht anders zu: „Ich habe die Sorge, dass mich das Thema Kurzarbeit in meinem Unternehmen noch etwas länger begleiten wird. Deshalb ist diese finanzielle Unterstützung auch so wichtig für mich.“

Schwierige Zeit gemeinsam meistern

Das Beispiel von Oliver Stephan bestätigt: der Doppelpass zwischen Spitze und Basis funktioniert einmal mehr. Genau darum geht es auch Jonathan Tah: „Die Solidarität untereinander ist zurzeit vielleicht das Wichtigste, was wir brauchen und was jeder Einzelne zeigen kann. Ich hoffe sehr, dass ich mit meiner Unterstützung einen Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten kann.“ Und Dirk Janotta, DFB-Vizepräsident und Vorsitzender der Sepp-Herberger-Stiftung, ergänzt: „Diese Tage fordern uns als Gemeinschaft heraus. Wir müssen und werden zusammenstehen und diese besonderen Herausforderungen gemeinsam meistern.“ Genau so, wie Sepp und Eva Herberger es sich gewünscht haben.