Digitale Kopfball-Challenge mit einem 48-fachen Nationalspieler
03. Juni 2020 Zurück zur Artikelübersicht »

Die DFB-Stiftung Sepp Herberger engagiert sich seit Jahren für Fußballerinnen und Fußballer mit Handicap. Das Engagement im Behindertenfußball ist eine der tragenden Säulen der ältesten Fußballstiftung Deutschlands. Während der Corona-Pandemie konnten natürlich auch die Inklusionsteams nicht gemeinsam Fußball spielen. Wir stellen die Aktionen von zwei Klubs vor, die die Situation vorbildlich angenommen und für ihre Spielerinnen und Spieler ein attraktives Programm für zuhause ausgearbeitet haben.

Das Inklusionsteam des TG Jahn Trösel: Die JFV Incredibles. © TG Jahn Trösel

Wie können sich inklusive Fußballmannschaften während der Corona-Zeit fit halten? Wie können digitale Einheiten das echte Training auf dem Platz zumindest ansatzweise ersetzen? Und was können Trainer tun, damit Spielerinnen und Spieler untereinander auch in diesen Zeiten in Kontakt bleiben?

Es gibt viele Fragen, die sich den Verantwortlichen – auch von Inklusionsmannschaften – derzeit stellen. Zwei Klubs aus dem Hessischen Fußball-Verband haben in diesem Zusammenhang besonders gelungene Lösungen gefunden: Der SV Teutonia Köppern mit seiner Inklusionsmannschaft „Team United“ und die TG Jahn Trösel mit ihrem inklusiven Team „JFV Incredibles“.

Challenge mit Stiftungsbotschafter Jens Nowotny

Die beiden Mannschaften haben sich – sogar im wahrsten Sinne des Wortes – digital in einer Kopfball-Challenge die Bälle hin und her gespielt. Alle Aktiven der beiden Mannschaften haben ein kurzes Video von sich gedreht und sich dabei bei Kopfbällen gefilmt. Daraus sind unterhaltsame Clips geworden, die sie bei Facebook geteilt haben. Sogar der 48-fache Nationalspieler und Stiftungsbotschafter Jens Nowotny war dabei. „Unseren Jungs und Mädels hat die Aktion riesigen Spaß gemacht. Fast alle haben sich beteiligt und uns kurze Filme geschickt“, betont Incredibles-Trainer Marco Ginader.

Die Verantwortlichen der „Incredibles“ haben sich viele Gedanken gemacht, wie sie ihre Sportler mit Handicap beschäftigen können und wie sie vor allem nicht den Kontakt zu ihnen verlieren. „Das war aus unserer Sicht ein ganz wichtiger Punkt“, meint Ginader. „Sonst sehen wir uns einmal in der Woche. Zuletzt ist fast jeder soziale Kontakt weggefallen. Besonders dieser Zielgruppe ist das schwer zu vermitteln.“

Deshalb haben sie sich auf digitalen Plattformen getroffen und sich dort entweder ganz zwanglos ausgetauscht oder teilweise leichte Trainingseinheiten durchgeführt. „Für mich ist eine wichtige Erkenntnis der vergangenen Wochen, dass man nicht unbedingt viel Platz braucht, um unseren Fußballern aus der Inklusionsmannschaft Spaß zu vermitteln und sie zu bewegen“, betont Ginader.

Umfangreiche digitale Wochenpläne

60 Spielerinnen und Spieler gehören zum „Team United“ von Teutonia Köppern. © Teutonia Köppern

Beim SV Teutonia Köppern sind sie sogar noch einen Schritt weitergegangen. Die Verantwortlichen haben für ihre Inklusionsmannschaft umfangreiche digitale Wochenpläne erstellt, mit denen das vielseitige Trainingsangebot kommuniziert wird. 60 Spielerinnen und Spieler mit und ohne Handicap gehören zum „Team United“ von Teutonia Köppern. Betreut wird die Mannschaft von Bruno Pasqualotto und Thorsten Picha, dem Inklusionsbeauftragten des Hessischen Fußball-Verbandes.

„Mit dem Lockdown Anfang März haben wir uns sofort gefragt, wie wir unsere Spielerinnen und Spieler weiterhin sinnvoll beschäftigen können. Gerade bei Menschen mit Handicap ist da eine gewisse Anleitung unserer Erfahrung nach sinnvoll. So sind wir auf die Idee mit den Trainingsplänen gekommen, die wir nach und nach erweitert haben“, meint Pasqualotto.

Zur Demonstration der Fußballübungen wurde eine eigene YouTube-Plattform eingerichtet. Zudem wurden auch digitale Fußballquizze durchgeführt oder Ernährungstipps vermittelt. Hinzu kamen dann zum Beispiel die Challenges mit dem „JFV Incredibles“. „Wir treffen uns eigentlich mehrfach im Jahr bei verschiedenen Turnieren und haben ein super Verhältnis zueinander. Aber durch das virtuelle Miteinander hat die ohnehin schon gute Verbindung unserer Teams noch einmal an Tiefe gewonnen. So hatte und hat die Corona-Zeit wenigstens auch einen guten Aspekt“, so Pasqualotto weiter.

Große Sehnsucht nach echtem Training auf dem Platz. ©Teutonia Köppern

Große Sehnsucht nach echtem Training auf dem Platz

In einem weiteren Punkt sind sich die Verantwortlichen der „Incredibles“ und des „Team United“ einig: Es wird Zeit, dass die Kinder und Jugendlichen jetzt bald auch wieder auf dem Platz in der „echten“ Gemeinschaft ihrem Hobby nachgehen können. „Es ist eine lange Zeit und aus den Gesprächen kann man deutlich entnehmen, dass alle wieder darauf brennen, wieder gemeinsam am Ball sein zu können“, sagt Pasqualotto.

Denn eines ist auch klar: Selbst die perfekt geplanten Hometraining-Einheiten und Challenges können echtes Fußballtraining in der Gruppe nicht ersetzen. Vor allem dann nicht, wenn das Wetter so perfekte Bedingungen liefert, wie in den vergangenen Wochen. Die Wahrheit liegt dann eben doch auf dem Platz.

Weitere Tipps und Hinweise für das Training von Handicap-Teams für zuhause finden Sie hier