Auftaktveranstaltung zu “Anstoß für ein neues Leben” in Berlin
28. Februar 2012 Zurück zur Artikelübersicht »

Der Berliner Senator für Justiz und Verbraucherschutz, Thomas Heilmann, die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Berlin Nord, Petra Röhlinger, und der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes e. V., Bernd Schultz, haben heute in der Jugendstrafanstalt (JSA) Berlin den Startschuss für das Projekt “Anstoß für ein neues Leben” gegeben. Neben Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist nun auch die Bundeshauptstadt bei der Initiative dabei.

Ziel ist es, jungen Gefangenen und Haftentlassenen systematische Unterstützung bei der sozialen und beruflichen Wiedereingliederung durch Akteure aus Sport, Justiz und Arbeitsmarkt zu geben. Gerade der Fußball bietet ein hervorragendes Übungsfeld für eine erfolgreiche Wiedereingliederung: Junge Gefangene lernen hier, sich auf ihre Mannschaftskameraden zu verlassen, Regeln zu beachten, Rückschläge zu verarbeiten und ihre Freizeit sinnvoll zu nutzen. Erfolgserlebnisse im Fußball geben den jungen Männern Kraft für ihr Alltagsleben. Das Angebot der Sepp-Herberger-Stiftung richtet sich an die Fußballmannschaft der Jugendstrafanstalt Berlin und soll nicht nur deren Training verbessern, sondern den jungen Männern Orientierung für ihre berufliche Zukunft außerhalb der Gefängnismauern geben. “Der Fußballsport kann entscheidend zu einer erfolgreichen Resozialisierung beitragen. Ich danke dem Berliner Fußball-Verband, der Sepp-Herberger-Stiftung und den weiteren Projektpartnern sehr für ihr Engagement und wünsche dem Projekt einen erfolgreichen Verlauf”, betonte Justizsenator Heilmann in seiner Begrüßungsansprache.
In Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz, der Bundesagentur für Arbeit Berlin Nord, der Jugendstrafanstalt Berlin,  Gangway e. V. sowie dem Berliner Fußball-Verband e. V. wird dieses bundesweit einzigartige Projekt nun in der Bundeshauptstadt umgesetzt. Über das wöchentliche Fußballtraining hinaus wird es mindestens einmal monatlich eine Fortbildung aus den drei Bereichen Fußball, Arbeit/Beruf und Soziales geben.

Bundesagentur für Arbeit als Partner mit dabei

Als Partner mit dabei ist die Bundesagentur für Arbeit (BA). “Wir freuen uns, dass es aufbauend auf den bisherigen Kooperationen zwischen dem DFB und der Bundesagentur für Arbeit gelungen ist, die BA als weiteren wichtigen Anstoß-Partner zu gewinnen. Gemeinsam wollen wir den Jugendlichen Chancen und Möglichkeiten bieten, nach der Haft direkt in die Gesellschaft zurück zu finden. Gerade hier bieten die bundesweit rund 26.000 Fußballvereine viele Möglichkeiten. Alle Bemühungen können aber nur dann erfolgreich sein, wenn die jungen Gefangenen bereit sind, ihre Chance zu nutzen und sich aktiv in das Projekt einzubringen”, so Tobias Wrzesinski, stellvertretender Geschäftsführer der Sepp-Herberger Stiftung.
Der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes, Bernd Schultz, ergänzt: “Das Projekt ‚Anstoß für ein neues Leben’ unterstreicht, welche integrative Kraft der Fußball besitzt. Seit vielen Jahrzehnten unterstützt der Berliner Fußball-Verband bereits die Arbeit in der Jugendstrafanstalt Berlin und setzt sich dafür ein, dass mithilfe der wöchentlichen Fußball AG Werte wie Fairplay und Teamgeist vermittelt werden. Durch die teilnehmenden Projektträger werden die Bereiche Arbeit/Beruf, Soziales und Fußball vorbildlich zusammengeführt und ebnen den Jugendlichen gemeinsam den bedeutenden Weg zurück in die Gesellschaft.”

Die Projektteilnehmer sind alle Mitglieder der Fußball AG. Zudem spielen für das Projekt eine gute Sozialprognose sowie die Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt von den jungen Inhaftierten eine bedeutende Rolle. “Uns gefällt der Ansatz des Projektes: Wenn die Jugendlichen in der Fußballmannschaft lernen, wie wichtig Disziplin, Ehrgeiz und Teamgeist, aber auch Spaß an eigenen Erfolgen sind – dann sind das genau die Eigenschaften, die sie in ihrer künftigen Ausbildung oder Arbeit brauchen”, sagt Petra Röhlinger, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Berlin Nord. “Da schon seit Jahren zwei unserer Mitarbeiterinnen direkt mit den Jugendlichen in der Jugendstrafanstalt arbeiten und diese auf die Rückkehr in die Arbeitswelt vorbereiten, besteht bereits eine enge Kooperation zwischen unseren beiden Häusern. So hat das Projekt von Anfang an eine solide Basis”, so Röhlinger weiter.

Stiftungsbotschafter Oliver Kahn für Initiative engagiert

In der JSA Berlin werden die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren von einem Team aus Sportbeamten, Mitarbeitern des Sozialdienstes und der Projektpartner betreut. Begleitet werden sie durch prominente Paten aus dem Fußball. Geplant ist unter anderem ein Besuch der U17-Mannschaft von Hertha BSC Berlin. Für die Sepp-Herberger-Stiftung ist insbesondere deren Botschafter Oliver Kahn für das Projekt engagiert. Sein Motivationsprogramm “DU PACKST ES!” ist wichtiger Bestandteil der Initiative. Voraussichtlich im September 2012 treffen die Projektteilnehmer im Rahmen des Turniers um den “Sepp-Herberger-Pokal” auf den früheren Welttorhüter.
Das Projekt wurde im letzten Jahr erfolgreich in Nordrhein-Westfalen erprobt. Neben Berlin wird die Initiative bereits in Rheinland-Pfalz umgesetzt. In den nächsten Monaten wird das Projekt in Niedersachsen und Sachsen starten.